Das ist aber nur die Vorgeschichte dessen, was ich eigentlich erzählen möchte. Wie sieht der Alltag nun derzeit aus? Ich stehe auf und beginne den Tag eigentlich wie immer. Ich trinke meinen ersten Kaffee – und hier versuche ich schon bewusst zu leben, wie vorher. Das klappt ganz gut, auch wenn ich einige Einschränkungen derzeit durch meine spezielle Situation habe.
Im Buddhismus heißt es immer so schön: Du kannst Ein- und Ausatmen. Folglich lebst du, solange du diesen Kreislauf aufrecht erhalten kannst.
Das beruhigt eigentlich nur am Anfang und dennoch sollten wir DANKBAR sein, dass es noch so ist. Mein Alltag schaut dann so aus, dass ich in den letzten Wochen mit meinem Team, also die, die mir geblieben sind, versuche im Hintergrund alles umzugestalten, anders aufzustellen. Wir haben mich als Person anders aufgestellt, klarer heraus gearbeitet und mehr noch auf die Pandemie-Situation zugeschnitten. Das gilt fürs Coaching und auch fürs Speaking. Ich habe mich von mir nahen Menschen trennen müssen, da es einfach nicht mehr effektiv war und wir nicht mehr die selbe Kommunikation hatten.
Für mich als Asperger Autist ist einfach wichtig eine gute Kommunikation zu besitzen. Und nur die Kommunikation bringt mich dann auch weiter, schafft Vertrauen und zeigt dann auf, dass es eine erfolgreiche Zukunft geben wird. Emotional bin ich persönlich in ein echt tiefes Loch gefallen. Viele meiner hart erworbenen Emotionen sind einfach weg oder nur mehr ungenügend vorhanden. Der Tode meiner Shiva im letzten Oktober hat immer noch massive Auswirkungen. Das, was mir alles in den letzten 3 Monaten passiert ist, hat mich Emotionen spüren lassen, die ich so noch nie kannte oder spüren durfte. Eine ganz intensive war das Schämen. Und das, was es mit mir gemacht hat. Schämen hat leider bei mir Folgendes ausgelöst: Ohnmacht, Stuck State, Verzweiflung, Ängste, Panik und vor allen Dingen Schuldgefühle. Das Thema Schuld ist ziemlich ätzend. Sich schuldig zu fühlen und dazu körperliche Symptome zu entwickeln, ist nicht schön. Und man fühlt sich für etwas schuldig, dass man nicht begannen hat. Das war nicht sehr schön und dennoch hat es mich weitergebracht. Ich habe wieder lernen dürfen.
Also mache ich den ganzen Tag nichts anderes, als vorbereiten auf den Tag X, der da hoffentlich bald wieder kommen wird. Wir arbeiten an unserer Webpräsenz und „hübschen“ alles auf. Dann wird viel telefoniert mit möglichen potentiellen Kunden und mit neuen Kooperationspartnern, die ins System Alexander Maria passen und den neuen Angeboten, die da noch kommen. Irgendwie habe ich dass Gefühl, ein Start Up zu sein, das gerade durchstartet.Und eigentlich ist das auch so. Aber nicht nur bei mir sondern in vielen Branchen, bei denen alles auf Null runter gefahren wurden – alle fangen wohl mehr oder weniger bei Null an.
Wie motiviert einen das nur? Das ist eine Frage die ich mir jeden Tag aufs Neue stelle. Bei mir kann ich nur sagen, dass egal, was auch in den letzten Tagen, Wochen und Monaten passiert ist oder ich erleben durfte, ich das grosse Glück habe, Vertrauen in seinen verschiedensten Formen kennen gelernt zu haben. Angefangen von Vertrauen, Selbstvertrauen, Vertrauen ins Leben und ganz wichtig UrVertrauen. Dazu kommt jede Menge Hoffnung. Der eine oder andere weiss ja, wie ich mit der Hoffnung verfahre. Ohne Hoffnung bin ich gar nichts. Ich bin nicht lebensmüde sondern einfach immer voller Hoffnung. Ohne Hoffnung , dass es weiter geht, wäre ich schon längst gestorben.
Das Learning